Mehr als Portraits – Ein Wintertag mit Oliver Zeidler und Hans-Johann Färber

Es war der 23. Dezember. Grau, kalt und still. Die Financial Times hatte mich angefragt, ob ich Oliver Zeidler, Ausnahmeruderer und Olympiasieger, für einen Artikel portraitieren würde. Während viele bereits in den Weihnachtsmodus wechselten, zog Oliver auf der Olympiastrecke von München seine Bahnen. Runde um Runde. Konzentriert. Diszipliniert. Fast meditativ.

Zwei Generationen. Verbunden durch denselben Sport, denselben Ort und eine Geschichte, die viel größer ist als ein einzelner Wettkampf.

Fotografiert habe ich an diesem Tag aber zwei Olympiasieger: Oliver Zeidler und seinen Großvater Hans-Johann Färber. Olympiasieger von 1972. Gold auf genau jener Regattastrecke, auf der sein Enkel heute trainiert.

Während Oliver sich nach dem Training auf das Shooting vorbereitete, präparierte sein Großvater in tausendfach wiederholten Bewegungen das Ruderboot. Routiniert. Präzise. Fast so, als wäre die Zeit stehen geblieben. Irgendwann kamen wir ins Gespräch. Und wie so oft im Leben führte eines zum anderen.

Plötzlich sprachen wir über Wetzlar. Über Leica. Über die Leitz-Familie. Über eine Stadt, die den deutschen Rudersport genauso geprägt hat wie die Welt der Fotografie.

Es sind genau diese unerwarteten Verbindungen, die mich faszinieren.

Man fährt zu einem Termin, um jemanden zu fotografieren. Und plötzlich sitzt man mit einem Olympiasieger von 1972 zusammen und spricht über Kameras, Heimat, Industriegeschichte und die Menschen hinter den Geschichten.

Es sind Momente wie diese, die mich an der Fotografie begeistern. Die Kamera ist oft nur der Anfang. Ein Anlass, genauer hinzusehen. Menschen kennenzulernen. Geschichten zu entdecken, nach denen man nie gesucht hat und die man trotzdem nicht mehr vergisst.

Die Kamera öffnet Türen. Zu Orten, die man sonst nie betreten würde. Zu Gesprächen, die man sonst nie führen würde. Zu Geschichten, die nirgendwo geschrieben stehen.